Das Leben selbst in die Hand nehmen.

„Braucht es Feminismus in der Literatur und im Literaturbetrieb? Ja, ja und nochmals ja! „Zeigen muss er, der Feminismus! Schreien muss er, der Feminismus! Spüren muss er, den Feminismus!“ betont Nathalie Krainer (st.f 215). Dorina Marlen Heller (st.f 207) will „einen Feminismus, / der die Biologie besiegt, / uns die Waffen aus den Händen nimmt / und sagt: / ???“ Auf diese offene Frage, welchen Feminismus es nun braucht, veröffentlichte die ≠igfem vielfältigste Antworten sehr zahlreicher und unterschiedlicher Autorinnen in der „Störfeuer“-Anthologie (st.f) mit in Online-Schreiblaboren verfassten Prosatexten und Gedichten und im „WeissNet 2.3“ (w.n) mit ausgewählten Arbeiten aus mehreren Jahren von Schreibworkshops und Ausschreibungen. „Probiert euch aus! Behaltet als einzige Religion den Essayismus, der rein gar nichts von euch verlangt.“ So macht Paula Römer (st.f 40) Mut zum Schreiben. „Ich will, dass Frauen Texte weben können und diese andere bewegen, um Veränderungen anzustreben.“
Eine Rezension von Sabine Prokop
Download: Das Leben selbst in die Hand nehmen (Prokop)
Hacker, Gerlinde; Pointner, Dorothea (Hg.). Störfeuer. Edition igfem, Wien 2023 Hacker, Gerlinde; Pointner, Dorothea (Hg.). WeissNet 2.3. Edition igfem, Wien 2024
Der Kopf des Königs ist gefallen? – oder: Toxischer Zeller

„Christa Nebenführ bringt in ihrem Roman „Den König spielen die anderen“ Der Kopf des Königs ist gefallen? – oder- Toxischer Zeller Rezension von Gerlinde Mauerer bedrohliche, aggressive und gewaltausübende Männlichkeit zur Sprache. Diese Erzählung kann mit der späteren Schilderung des alternden, wie es scheint handzahm gewordenen Mannes zwar nicht in Einklang gebracht werden, doch Nebenführ gelingt es, Aufklärung zu betreiben, wie ein historisches Dickicht aus Lebensfäden, die Geschlecht und Geschichte haben, entsteht und wie dieses dichte Gewebe Auswege verstellen und Einblicke verschleiern kann.“
Eine Rezension von Gerlinde Mauerer
Download: „Der Kopf des Königs ist gefallen? – oder- Toxischer Zeller“ (Mauerer)
Christa Nebenführ: Den König spielen die anderen. Roman. Wien: Klever Verlag, 2023. ISBN 978-3-903110-94-6.
„DIE HERRSCHAFT HERRSCHT UND DIE PFLEGE MUSS SIE PFLEGEN“

„Frauenbildung war und ist nicht nur ein wesentlicher Teil der Frauenbewegungen, sondern auch eine vernachlässigte Größe im Feld der Erwachsenenbildung und wurde bisher weder historisch noch systemisch erfasst. Die hier vorliegende erste Erfassung greift mit der Darstellung Feministischer Frauenbildung in Wien eine Leerstelle in der (Bildungs-)Forschung auf und versucht eine vielseitige Entwicklung erstmals zu sammeln und zu dokumentieren. Als materialreiche Fundgrube konzipiert, ist die Broschüre zur Erinnerungsarbeit ein Anfang und soll Zeitzeuginnen, Beteiligte, Aktivistinnen, Studierende, Lehrende und Forschende motivieren, sich vertiefend und weiterführend mit einer bewegten politischen Bildungsgeschichte und -gegenwart auseinanderzusetzen.“
Eine Rezension von Birge Krondorfer
„Geschlecht. Zahl. Fall. Vorlesungen 2021.“ – Marlene Streeruwitz
Birge Krondorfer rezensiert das Buch von Marlene Streeruwitz mit dem Titel „Geschlecht. Zahl. Fall. Vorlesungen 2021.“ Dabei geht sie auf die thematischen Punkte ausführlich ein.
Download: „Geschlecht. Zahl. Fall.“ Birge Krondorfer
Marlene Streeruwitz: Geschlecht. Zahl. Fall. Vorlesungen 2021. S. Fischer 2021, 134 Seiten.
Ein tatkräftiges Mutmach(erinnen)-Buch für selbstbestimmte Zielsetzungen von Frauen

„Das Buch beeindruckt durch die kompetente Praxisanbindung. Es zeigt in vielen Beispielen aus der feministischen und frauenspezifischen Beratungspraxis, wie Wege aus persönlichen Krisen, die sehr viel mit dem gesellschaftlichen „Kleinmachen“ von Frauen – sei es durch geringere Bezahlung in vielen Branchen, sei es durch die be- und oftmals individuell erdrückende Last von Verantwortung für Kinder, Familienangehörige und zu Pflegende – zu tun haben.“
Eine Rezension von Gerlinde Mauerer
Bettina Zehetner: Reparaturprojekt Mann. Erholungsgebiet Frau. Frauen beraten Frauen. Feministische psychosoziale Beratung bei Beziehungskonflikten, Gewalterfahrung, Trennung und im Umgang mit Arbeit, Geld und Körper. Verlag Diametric. Juli 2020.
Freiheit im Schreiben, Sprechen, Denken und Tun – Wege, Ziele und neue Perspektiven
„Der neue Band des Teams von Frauen* beraten Frauen*, herausgegeben von Bettina Zehetner und Karin Macke, umfasst zahlreiche Perspektiven auf Freiheit und Feminismen. Der Anlass für den Band ist ein festlicher: 40 Jahre nahezu unermüdlich wirkende Beratungstätigkeit und frauenpolitische Aktivitäten im Team von Frauen beraten Frauen. Dies führt unter anderem auch dazu, dass die Generationenfrage im feministischen Diskurs und im Denken von individueller Freiheit in den facettenreichen Beiträgen nicht ausgespart bleibt.“
Eine Rezension von Gerlinde Mauerer
Download: Rezension: Freiheit im Schreiben, Sprechen, Denken und Tun (Mauerer)
Frauen* beraten Frauen* (Hg.): Freiheit und Feminismen. Feministische Beratung und Psychotherapie. Buchreihe: Therapie & Beratung; Psychosozial-Verlag, 382 Seiten, 1. Aufl. 2020, erschienen im April 2020, ISBN-13: 978-3-8379-2942-3.
Die Krise und die Frauen

„Sylvia Walby legt mit diesem Buch eine wertvolle und feministisch kritische Informationen zur Verbindung von „der“ Krise und den Frauen vor. Sie eröffnet Einblicke in inter/nationale Finanztransaktionen der letzten Jahrzehnte. Einschnitte im öffentlichen Dienst (und in der Privatwirtschaft) treffen Frauen als Angestellte in besonderer Weise. Deutlich und verständlich nachvollziehbar zu beschreiben, wie Swaps und Risikospekulationen sich in Genderanalyse sowohl im täglichen Leben als auch in der Finanzwelt nachhaltig auswirken, ist Walbys beachtliche Leistung. Mit Detailreichtum und klarem feministischen Durchblick zeigt sie Facetten männlich konnotierter Krisenherrschaften unter dem Sammelbegriff Gender Regime auf – wie schon zuvor in ihrer Publikation „Theorizing Patriarchy“. Ihr Buch beinhaltet eine klar fundierte wissenschaftliche Analyse und ist in gut lesbarer, leicht verständlicher englischer Sprache geschrieben. Schade, dass Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche kaum mehr leistbar sind und nur selten finanziert werden: Dieses großartige und einen komplizierten Sachverhalt deutlich und in Gender-Perspektive erläuternde Buch hätte es verdient.“
Eine Rezension von Gerlinde Mauerer
Sylvia Walby: Crisis. Cambridge: Polity Press, Dezember 2015. 224 Seiten. Paperback und E-Book bei Wiley.
Feministische Theorie konsequent weitergedacht und praktisch umgesetzt

„Bettina Zehetner verbindet in ihren weitreichenden Reflexionen verschiedene Ansätze feministischer Theoriebildung (Egalitätsanspruch, Differenzansatz, De-/Konstruktivismus) mit den Potenzialen ihrer Umsetzung in der psychosozialen Beratungspraxis. Sie zeigt, wie sich der Beratungskontext verändert, wenn auf ein „kollektives Frauen-Wir“ verzichtet werden muss: Dies bedeutet – auch je individuell erlebte – „Rückschläge“ und neue theoretische wie sozialpraktische Herausforderungen. Im Aufzeigen dieses dringend notwendigen Brückenschlags zwischen feministischer Theoriebildung und (psycho)sozialer Praxis liegt die Bedeutsamkeit der vorliegenden Arbeit: u.a. werden auch „schöne“ Begriffe wie „Authentizität“, „Selbstverwirklichung“ und „Selbstbestimmung“ als neoliberale Erfolgskriterien des ‚unternehmerischen Selbst’?“ in Frage gestellt (S. 246). Insbesondere der Schauplatz weiblicher Körper wird in Zehetners Arbeit als „Material“ für diese Selbstunternehmung und -inszenierung in historischer und feministischer Perspektive analysiert.“
Eine Rezension von Gerlinde Mauerer
Download: Rezension Krankheit und Geschlecht (Mauerer)
Bettina Zehetner: Krankheit und Geschlecht. Feministische Philosophie und psychosoziale Beratung, Turia + Kant: Wien/Berlin 2012, 317 Seiten.
Siehe ergänzend auch den Vortragstext von Bettina Zehetner anlässlich der Festveranstaltung FEMINISTISCHE STRATEGIEN. 35 + 1 + 1 Jahre Frauen* beraten Frauen* mit Christina Thürmer-Rohr am 16. Mai 2017.
„Fuck you“
Beinahe eine Buchrezension zum Internationalen Frauentag 2017

„An unterschiedlichen Stellen des Buches erklärt Stokowski warum sie Feministin geworden ist. Ein Grund ist, weil sie anerkennt und dankbar ist für das, was andere Feministinnen früher für sie erkämpft haben, von dem sie heute profitiert. Es sind vor allem die Freiheit von und die Freiheit zu. Feministinnen haben erkämpft, frei von patriarchalen Abhängigkeiten zu sein, die Freiheit zu wählen und gewählt zu werden, die Freiheit einer Erwerbsarbeit nachzugehen, ein eigenes Einkommen zu erzielen und darüber frei zu verfügen, die Freiheit sich jede Art von Bildung anzueignen und jede Art von Beruf auszuüben, die Freiheit über den eigenen Körper zu verfügen. All diese Freiheiten werden durch Gesetze gewährt, durch eine demokratisch legitimierte Rechtsordnung und Rechtsinstanzen. […]
Margarete Stokowski schließt ihr Buch mit dem Satz: „Ich habe an das Aufstehen und an das Liegenbleiben geglaubt, an die Ruhe und den Sturm, und ich weiß nicht, was noch kommt und woran ich in meinem Leben noch glauben werde, aber ganz sicher niemals ans Schweigen.“ (230).“
Eine Rezension von Luise Gubitzer
Download: Rezension Untenrum Frei (Gubitzer)
Stokowski, Margarete (2016): Untenrum frei. Rowohlt. Hamburg
Arendt, Hannah (1958/ 1994): Vita Activa oder Vom tätigen Leben. Piper. München/ Zürich.
Performance und Politik oder Ein Backfisch hat noch was zu erwarten

„Gerburg Treusch-Dieters Vortrag war Performance im besten Sinn: Sprache und Körper als chiastische Einheit, ein Schau-Spiel, das die Erotik des Körpers mit der des Geistes verband und den Prozess des Denkens zur sinnlichen Aufführung brachte. Als Lehrende war sie intensiv und berauschend wie eine antike Dramengestalt. Mitzuerleben wie sie komplexe Gedankengänge entwickelte war eine Erfahrung, die die Zuhörenden selbst zu neuen und unkonventionellen Perspektiven anregte. Wie unbeschwert und humorvoll sie an schwer verdauliche Kost wie Gewalt im Geschlechterverhältnis, Gen- und Reproduktionstechnologie und Pornographie heranging, war befreiend und inspirierend. Als Freidenkerin ermutigte sie ihre Studierenden, scheinbar Selbstverständliches immer wieder neu zu hinterfragen. Ihre Weigerung, sich einzuordnen, ihre Inter- und Transdisziplinarität wurden nicht mit einer klassischen akademischen Karriere belohnt, machen jedoch die Vielfalt der vorliegenden Textsammlung zum Genuss.
Gerburg Treusch-Dieter hat Theoriegebäude lebendig und bewohnbar gemacht: Kritische Theorie, feministische Theorie, Dekonstruktivismus, Foucaults Diskurs- und Machtanalyse werden in Treusch-Dieters eloquenten Texten zu lustvollen Erkundungsreisen. Biomacht, die Entwertung von Körperlichkeit, die „Austopfung des Lebens“ aus dem Frauenkörper: Über die „geschlechtslose WunderBarbie“, Mutter-Tochter-Genealogien und patriarchale Schuldzuweisungen im Demeter-Kore-Mythos bis zur subtilen subversiven Kraft von Irigarays Mimesis-Konzept – ein 670 Seiten starkes Lesebuch wie ein wunderbar opulentes Festmahl. „Von ihr kann man lernen, wofür es sich lohnt, am Schreibtisch zu sitzen.“ (aus der Festschrift „Referenzgemetzel. Geschlechterpolitik und Biomacht“ für Gerburg Treusch-Dieter, Tübingen 1999).“
Eine Rezension von Bettina Zehetner
Edith Futscher, Heiko Kremer, Birge Krondorfer und Gerlinde Mauerer (Hrsg.): Gerburg Treusch-Dieter: Ausgewählte Schriften. Wien/Berlin: Turia + Kant 2014.


