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Themenschwerpunkt 2016/17: Krisenherde

Eine Krise besteht darin, dass das Alte stirbt und das Neue noch nicht geboren werden kann. (Antonio Gramsci)

Im Sommer 2015 einigten wir uns auf den Arbeitstitel ,Krisenherde‘ für unser Jahresprogram 2016. Zum einen, weil die Rede von der/den ,Krisen’ beinah alle Mainstream- wie alternativen Diskurse beherrscht, zum anderen, weil diese Diskurse ohne die Frauenperspektive meinen auskommen zu können. Wir wollen daher allgemein gehaltene Diskurse um feministische und genderbezogene Krisendimensionen und -kritiken erweitern. Zudem ist der Begriff ,Krisen-Herde’ dazu geeignet diverse Assoziationen hervorzurufen, wie z.B. Entzündungsherd, Schafsherde, Kuechenherd, die sich metaphorisch fuer feministische Perspektiven eignen.

In der polit-journalistischen Sprache sind Krisenherde meist ein Euphemismus für Krieg und insofern mit Kriegsgebieten gleichzusetzen. Gleichzeitig haben wir als (westliche) postmoderne Subjekte die Normalität der krisenhaften Verfaßtheit des Gesellschaftlichen (von dem Wissen, dass wir den Planeten zerstören, bis zur diskursiven Verknuepfung, die aus in Not Geratenen potentielle TerroristInnen macht) auf der Agenda und merken, dass ein Festhalten an rationalen Handlungsparadigmen kaum noch möglich ist, sondern er/leben Gewalt und Wahnsinn im Großen wie im Kleinen. (Von den gescheiterten Zweier- und Familienbeziehungen, über die globalisierte Dimension des Konsumverhaltens bis hin zum rassistischen Wahn in Teilen des gesellschaftlichen Raumes und bis hin zum Verfall staatlicher Ordnungen). Frauen, so läßt sich konstatieren, sind es ,gewohnt’ in strukturellen Gewaltverhältnissen zu leben. Der Bericht 2014 der Agentur der EU fuer Grundrechte zeigt das erschreckende Ausmaß auf der persönlichen Ebene der körperlichen, sexuellen und psychischen Gewalt gegen Frauen. Umgekehrt stellen GenderforscherInnen zunehmend fest, dass die uns umgebenden globalen Krisen sowie die rechtskonservativen Re/aktionen männerrechtlicher Umtriebe mit einer Männlichkeitskrise zu tun haben.

Mehrere umfassende Krisenherde machen sich auf der Weltbuehne bemerkbar, wovon wir drei im Auge haben: Neben der Dauerkrise Ökologie, die zumeist  allgemein verdrängt wird und die aktuell durch COP21 (United Nations Framework Convention on Climate Change, 21. Klimakonferenz, kurz COP 21) ins (mediale) Bewusstsein gerückt ist, wird seit Jahren die Ökonomiekrise beschworen, deren ,Lösung’ zunehmend Prekarisierung und Armut für viele erzeugt. Damit Hand in Hand haben wir es mit einer Krise des Politischen zu tun, bzw. wird das Modell Demokratie immer poröser. In vielen Bereichen überschneiden sich die Krisen, bedingen einander und müssen als verschränkt gedacht werden. Vor unseren Augen zeigt sich eine Weltkarte, auf der wenige nachhaltige, emanzipatorische, radikaldemokratische Dynamiken zu verzeichnen sind, sondern vielmehr Backlash und die Eliminierung aufklärender Repräsentationen.

Detaillierte Themenstellungen wurden im Frühjahr und Frühsommer 2016 in Einzelvorträgen erörtert und werden im Herbst/Winter 2016/17 in den bewährten Formaten Einzelvortrag, Workshop, Podium und Tagung stattfinden (siehe Veranstaltungen).